Frühförderzentrum für sehgeschädigte Kinder
Rahmenbedingungen
- - mehrfachbehinderte Kinder mit Sehschädigung
- - blinde und sehbehinderte Kinder
Einzugsbereich
- - Erftkreis ohne Wesseling
- - Stadt Düren und Teile des Kreises
- - Stadt Euskirchen und Teile des Kreises
- - drei Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises (Meckenheim, Rheinbach, Swisttal)
Organisation
- - Förderung im Elternhaus (Hausfrühförderung)
- - Begleitung in pädagogischen Einrichtungen
- - Beratung im Zentrum
- - Spielgruppen, Schwimmgruppe, Eltern-Kind-Treffen
Kooperation mit der Schule
- - Nutzung der schulischen Einrichtungen wie Sporthallen, Schwimmbad, Aula, Low Vision-Raum, Snoezelenraum, Wasserbetten, Airtramp, Trampolin
- - Beratung durch Lehrer und Therapeuten der Schule wie Mobilitätslehrer, Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Krankenschwestern
- - Unterrichtshospitationen
- - gemeinsame Konferenzen
- - gemeinsame Arbeitsgruppen
Räumlichkeiten des Zentrums
- - Spiel-/Therapieraum
- - Diagnostikraum
- - Raum für Elternberatung
- - Materialräume
- - Sanitärräume
- - Büros
Tätigkeitsfelder
Beratung und Information
- - Elternarbeit
- - Gespräche zur Behinderungsbewältigung
- - Begleitung von Familien mit nichttransportfähigen und sterbenden Kindern
- - Beratung in Fragen zur Sehschädigung für Mitarbeiter in anderen pädagogischen Einrichtungen
- - regionale Elterntreffen und Elternwochenenden
Pädagogische Inhalte
- - Diagnostik
- - Wahrnehmungsförderung
- - sehgeschädigtenspezifische Förderschwerpunkte
- - Erstellung individueller Fördermaterialien für Sehgeschädigte
Zusammenarbeit mit
- - örtlichen Frühförderstellen
- - Kinder- und Augenärzten
- - Therapeuten, Mobilitätslehrern
- - Kliniken und Heimen
- - Gesundheits- und Sozialämtern
- - Sozial-Pädiatrischen Zentren
- - Elternarbeitsgemeinschaften, gemeinnützigen Verbänden und Vereinen
Schuleingangsberatung
- - vorschulische Maßnahmen
- - Einschulungsberatung
- - mediale Beratung
Vorschule
Ziele der Vorschule
Vorbereitung auf die Schule
- - Kennenlernen der Gebäude und Räume (z.B. Sporthallen, Airtramp,Biologieraum)
- - Kennenlernen des Außengeländes mit Schulhof, Wegen und
Spielplätzen
- - Erfahren eines strukturierten Schultages
- - Sich als Gruppe (Klasse) finden
- - Andere Klassen und deren Klassenräume mit ihren
unterschiedlichen Materialien und Geräten kennenlernen
- - Erster Kontakt zu späteren Klassenlehrern herstellen
- - Bei Internatsschülern: Besuche in unterschiedlichen Internatsgruppen
- - Erfahren, einer unter vielen mit dem gleichen Handicap zu sein (keine Sonderrolle!)
Weitere Ziele
- - Kontakte zu den Kindergärten herstellen und die Möglichkeit zur Hospitation geben
- - Kontakte der Eltern mit Krankenschwestern und Therapeuten der Schule anbahnen
Organisation
Die Vorschule findet im Jahr vor der Einschulung einmal
wöchentlich in der Blindenschule Düren statt. Die Schüler werden mit Taxen von der Wohnung abgeholt und nach der Schule wieder zurück gebracht. Eine Begleitung durch einen Elternteil ist in den ersten Wochen erwünscht.
Zur Zeit existieren zwei Vorschulgruppen:
- - Gruppe für Mehrfachbehinderte,
- - Gruppe für Regelschüler mit Sehschädigung.
Mehrfachbehindertenbereich
Der Bereich der mehrfachbehinderten Schüler ist untergliedert in die Unterstufe, die Mittelstufe, die Oberstufe und die Werkstufe.
Je nach Schulstufe verschieben sich die Schwerpunkte der Förderung.
Unterstufe
Zunächst geht es in der Unterstufe um die Schaffung basaler Lernvoraussetzungen. Dazu gehören die Einführung von Ritualen zur Gewöhnung an den Schulalltag oder auch gegenseitiges Kennenlernen und der Aufbau eines Gruppengefühls.
Mittelstufe
In der Mittelstufe verschiebt sich der Unterrichtsschwerpunkt von entwicklungsorientierten hin zu fächerorientierten Lernbereichen. Hier werden die Lernerfahrungen der Unterstufe aufgegriffen und erweitert:
- - auf Wahrnehmungsangebote einlassen und Wahrnehmungen differenzieren,
- - Anbahnung von Kulturtechniken (Vorbereitung auf Lesen und Schreiben, Umgang mit Zahlen),
- - hauswirtschaftliche Aspekte (Riechen, Schmecken),
- - Erweiterung von Orientierung und Mobilität,
- - Erweiterung sozialer Kompetenzen,
- - Erweiterung der Lebenspraktischen Fertigkeiten.
In ihren leistungsheterogenen Stammklassen erfahren sich die Schüler mit ihren unterschiedlichen Persönlichkeiten und Lernvoraussetzungen und erweitern ihre sozialen Kompetenzen. Innerhalb der Klassen werden wiederum Lerngruppen gebildet, aber auch im Rahmen von täglichen Fördergruppen über die Klassengrenzen hinweg verschiedene Schülerzusammensetzungen erzielt. Die Fördergruppenarbeit greift Bildungsbereiche des Fächerkanons der Grundschule auf, die den Schülern in individuell angemessener Weise vermittelt werden (Sprache, (Prä-)Numerik, Sachunterricht).
Oberstufe
Die Oberstufe greift die Erfahrungen der vorangegangenen Schulstufen auf und erweitert diese:
- - Förderung der Selbständigkeit z.B. im Bereich der Körperpflege, Orientierung und Mobilität: neue Lebensbereiche kennenlernen und erschließen, bspw. das Kennenlernen und Üben von Einkaufssituationen, Besuch eines Cafés, Stadtbummel,
- - Förderung sozialer Kompetenzen durch vermehrte Konfrontation mit neuen Kontaktpersonen, Erweiterung oder vermehrter Wechsel der Bezugspersonen, vermehrte Konfrontation mit Lebenssituationen außerhalb der Schule,
- - Mitwirkung der Schüler bei der Raumgestaltung,
- - altersadäquate Musikangebote,
- - Sexualerziehung.
Werkstufe
Die Werkstufe bereitet die Schüler auf ihre zukünftige außerschulische Lebenssituation in den Bereichen Wohnen, Freizeit, Partnerschaft, Öffentlichkeit und Arbeiten vor.
Grundlegende Prinzipien der pädagogischen Arbeit sind Selbsttätigkeit und arbeitspädagogische Orientierung. Im Unterricht werden Rahmenbedingungen geschaffen für eine Lernatmosphäre, in der die Schüler ihren Fähigkeiten entsprechend gefordert sind, initiativ zu werden und Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen.
Arbeits- und Wohnmöglichkeiten
Es gibt eine Werkstatt an der Schule zur Vorbereitung auf den Berufsalltag. Die Schüler gehen stunden- oder tageweise in diese Werkstatt.
Die Tätigkeiten und die angebotenen Arbeitsmaterialien berücksichtigen die individuellen Voraussetzungen der Schüler (z.B. Blindheit, Körperbehinderung) und entsprechen soweit wie möglich denen der Werkstatt für Behinderte (WfB).
In diesem Zusammenhang finden in der Regel ein bis zwei mehrwöchige Praktika in wohnortnahen Werkstätten statt. Trotz des großen Einzugsbereichs unserer Schule ist eine intensive Vorbereitung und Begleitung dieser Praktika von Seiten der Lehrkräfte gewährleistet.
Gleichzeitig findet eine individuelle Beratung und Begleitung der Eltern hinsichtlich nachschulischer, weiterführender Arbeits- und Wohnmöglichkeiten statt. Zusätzlich gibt es regelmäßige Informationsveranstaltungen, zu denen auch Referenten zu spezifischen Themen (z.B. rechtliche Fragen bei Erreichen der Volljährigkeit, Erbschaftsfragen, finanzielle Aspekte bei Wohnheimunterbringung) eingeladen werden.
Grundschule
Die 5-jährige Grundschulzeit unterteilt sich in eine so genannte Eingangsklasse und die Klassen 1-4, die nach den Richtlinien der Grundschule unterrichtet werden. Im folgenden sind die unterrichtlichen Schwerpunkte stichwortartig aufgeführt.
Eingangsklasse (E-Klasse)
In der Eingangsklasse findet ein kontinuierlicher Austausch mit Frühförderung bzw. Vorschule statt. Grundlegende sehgeschädigtenspezifische Techniken werden angebahnt und gefördert:
- - Tastschulung
- - Förderung der Körperwahrnehmung/Handmotorik
- - Vorbereitung und Einführung der Blinden-Vollschrift
- - Kennenlernen von Vergrößerungshilfen
- - Orientierungsrelevante Hörerziehung
- - Raumorientierung
- - Lebens- und Alltagspraktische Fertigkeiten (LPF/APF) mit dem Ziel, zunehmende Selbständigkeit im Schulalltag, z.B. Umkleiden vor bzw. nach dem Sportunterricht, Frühstück zu erreichen
Klassen 1-4
Fortführung und Festigung der sehgeschädigtenspezifischen Techniken:
- - Umgang mit speziellen Arbeitsmaterialien z.B. Zeichenfolie, Lineale, Reliefkarten, Modelle
- - Kennenlernen des gesamten Schulgeländes
- - Hörerziehung
- - sicheres Beherrschen der Blindenvollschrift (Lesen und Schreiben)
- - Förderung des Sehvermögens
- - bei ausreichendem Sehvermögen: Erlernen der Schwarzschrift
- - Entwickeln von Techniken zur Arbeitsplatzgestaltung und -ordnung
Ab der Klasse vier kommen dazu die Einführung der Blindenkurzschrift und das Erlernen des 10-Finger-Systems auf der Computertastatur.
Differenzierung
Um jedem Kind individuell das Erreichen dieser Ziele zu ermöglichen, sind Differenzierungsmaßnahmen zwingend notwendig. Wir bieten aus diesem Grund folgende Möglichkeiten:
- - Leistungsdifferenzierung durch jahrgangsübergreifende Zusammenarbeit
- - Möglichkeiten der Einzelförderung bzw. Arbeit in kleinen Gruppen durch zeitweise doppelte Lehrerbesetzung
- - Einrichtung von Förderklassen
Hauptschule
Die Hauptschule umfasst die Klassen 5-10, die aufgrund der geringen Schülerzahl oft zu jahrgangsübergreifenden Klassen zusammengefasst werden (z.B. Klasse 5/6). Innerhalb dieser Klassen werden dann je nach Unterrichtsfach verschiedene Lerngruppen gebildet.
Die Schüler werden nach den Richtlinien der Hauptschule unterrichtet oder in Einzelfällen bzw. in Förderklassen nach den Richtlinien der Lernbehindertenschule.
Folgende Abschlüsse sind daher möglich:
- a) Abgangszeugnis der Hauptschule
- b) Hauptschulabschluss nach Klasse 9
- c) Hauptschulabschluss Typ A nach Klasse 10
- d) Hauptschulabschluss Typ B (Fachoberschulreife)
- e) Abschluss der Schule für Lernbehinderte
- f) Abschluss der Schule für Lernbehinderte nach Klasse 10
- g) Abgangszeugnis nach individuellem Lehrplan
Sehgeschädigtenspezifische Besonderheiten des Unterrichts
Einsatz verschiedener Punktschriftsysteme
- - Deutsche und englische Kurzschrift
- - Vollschrift bei individuellem Lehrplan
- - Mathematikschrift
- - naturwissenschaftliche Sonderzeichen
- - Musiknotenschrift
Vielfältige sehgeschädigtenspezifische Medien
- - Taktile Karten
- - dreidimensionale Modelle
- - Bildschirmlesegeräte
- - Hörbilder, Hörspiele
Computerarbeitsraum
- - PC's mit Braillezeile, Sprachausgabe und Vergrößerungsprogramm
- - Laser- und Punktschriftdrucker
- - Internetzugang
Zusätzliche Angebote
- - AG-Nachmittag (Schülerzeitung, Schulband)
- - Landessportfest aller blinden Schüler in NRW
- - Skiklassenfahrt
- - Torballturnier
Begleitung im Gemeinsamen Unterricht (GU)
Unsere Schule begleitet seit 1986 blinde, hochgradig sehbehinderte und sehbehinderte Schüler mit der Prognose Erblindung, die zusammen mit sehenden an Allgemeinbildenden Schulen in Wohnortnähe beschult werden. Zur Zeit sind acht Kollegen mit 61 Unterrichtsstunden im GU tätig. Sie begleiten 11 Schüler im Gebiet Nordrhein an verschiedenen Schulformen.
Die Schüler werden in den verschiedenen Schuljahren mit einer unterschiedlichen Anzahl von Wochenstunden begleitet:
1. und 2. Schuljahr = 7 bis 8 Stunden (2 Tage)
3. und 4. Schuljahr = 4 bis 7 Stunden (1 Tag)
5. bis 10. Schuljahr = 2 bis 6 Stunden (1 Tag)
11. bis 13. Schuljahr = 2 Stunden
Diese Stunden können entsprechend dem individuellen Förderbedarf eingeteilt werden.
Aufgaben des GU-Lehrers an der allgemeinbildenden Schule
- - Beratung der Lehrer der allgemeinbildenden Schulen
- - Unterstützung des Schülers im Klassenunterricht (blindenspezifische Techniken)
- - Einzelunterricht mit dem Schüler, z.B. in deutscher und englischer Kurzschrift, Umgang mit der Computertastatur, Musiknotenschrift, Orientierung und Mobilität, Kartenarbeit (Geographie), Geometrie.
- - Elternarbeit
- - Begleitung von Klassenfahrten und Ausflügen
- - Psychosoziale Unterstützung des Schülers
- - Bereitstellung von Medien
- - Beratung des Integrationshelfers
- - Organisation der Arbeitsplatzausstattung
- - Hilfe bei Beantragung der Arbeitsplätze und Einweisung in diese
Kurstag
Darüber hinaus werden alle Schüler im GU einmal im Jahr zu einem Kurstag in die Blindenschule Düren eingeladen. Dort können bestimmte Themen mit Hilfe der Schulmedien (z.B. Tierpräparate, Modelle) aufgearbeitet werden. Auch die Schulausstattung (z.B. Fachräume, Turnhalle) steht zur Verfügung. Besonders wichtig sind auch blindenspezifische Spiele (z.B.Torball) und der individuelle Austausch von Erfahrungen aus dem Schulalltag.
Beteiligte schreiben unter "Berichte aus dem Schulleben".